Mittwoch , 28 Juni 2017
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Grundschule: Schreiben lernen nach Gehör – gut oder schlecht?

Nächstes Jahr kommt unsere Tochter in die Grundschule und natürlich informiert man sich im Vorfeld über die Schule, deren Vorgehensweisen und Lernpläne. Natürlich haben auch wir dies getan und sind an einem Thema hängengeblieben. Schreiben lernen nach Gehör!

Was genau soll das nun bedeuten?

„Wia gen in den tso“ = „Wir gehen in den Zoo“ – das ist die neue „Schreiben nach Gehör“-Lernmethode an den Grundschulen!

Im Grunde ist es ganz einfach, die Kinder schreiben die Wörter so, wie sie sie selbst verstehen und benutzen eine Anlauttabelle als Hilfestellung. Wenn ein Kind dann „Uhr“ plötzlich so schreibt: „Uar“ ist das so in Ordnung und Erwachsene sind dazu angehalten, die Fehler nicht zu korrigieren. Der Fokus liegt darauf, dass die Kinder Spaß am Schreiben entwickeln sollen und gerne schreiben. Rechtschreibfehler sind in den ersten Klassen deswegen Nebensache. Doch kann das der richtige Weg sein? Die Kinder lernen das Schreiben von Anfang an falsch bzw. nach ihrem eigenen Empfinden. Im Nachhinein dann korrekte Rechtschreibung zu lernen stelle ich mir persönlich etwas schwierig vor.

Und was ist z.B. bei Kindern mit Migrationshintergrund? Sie haben ohnehin schon Probleme Wörter richtig auszusprechen und diese dann auch noch genau so aufzuschreiben, wie sie es selbst hören? Dieser Gedanke löst in mir gemischte Gefühle aus, denn den Kindern im Nachhinein nicht nur die richtige Schreibweise sondern zunächst die richtige Aussprache beizubringen würde die Kinder absolut überfordern.

Den Grundschulen ist es freigestellt ob sie die neue Methode anwenden oder den Kindern das Schreiben ganz klassisch mit der Fibel beibringen. Viele Grundschulen setzen allerdings voll und ganz auf die neue Methode. Eltern und auch Schüler sehen die neue Methode ebenso mit gemischten Gefühlen wie auch ich. Das „Schreiben lernen nach Gehör“ sei ein großer Motivationsschub für die Kinder und würde zum Schreiben animieren. Das strickte auswendig lernen wiederum blockiert den Schreibfluss und langweilt die Kinder. Beide Aussagen klingen plausibel, doch was ist nun der richtige Ansatz und die richtige Lernmethode? Hierüber wird wohl noch eine Weile gestritten!

Probleme an weiterführenden Schulen

Viele Eltern kritisieren diese Lernmethode, weil die Kinder spätestens in den weiterführenden Schulen oft Probleme bekommen. Viele Kinder sagen, dass die Lehrer viel zu spät damit angefangen haben die Fehler zu korrigieren und die deutsche Rechtschreibung und Grammatik mit den Kindern zu lernen. Und so kommt es leider nicht selten dazu, dass vermeindliche Klassenbeste an den weiterführenden Schulen plötzlich in den Noten einbrechen. Bei den Kindern sorgt das natürlich für Frust und Verärgerung, sie haben es nicht anders gelernt und sind nun überfordert.

Eine einheitliche Regel für alle Schulen könnte hier nicht schaden, oder?

Ein Statement lässt zum Nachdenken anregen

Die Tatsache, dass in öffentlichen Foren heute schon Postings auftauchen, bei denen man annehmen muss, dass der Verfasser auch nur nach Gehör schreibt, lässt mich stark an dieser neuen Lernmethode zweifeln.

Klar, Neuerungen sind nicht immer schlecht. Aber was war an der bisherigen Methode so schlecht, dass man es ändern muss? Die Grammatik wurde mit der Rechtschreibereform ja schon vereinfacht, was kommt da noch alles auf uns zu? – Oliver