Montag , 29 Mai 2017
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Hausgeburt: Mit der richtigen Planung zur natürlichen Geburt

Bild: © Thinkstock/Comstock

Gerade einmal rund 10.000 bis 12.500 deutsche Babys kommen jährlich außerhalb eines Krankenhauses zur Welt. Die Hausgeburt, die früher einmal den Standard darstellte, ist heute gerade noch für 2 Prozent der Schwangeren wirklich ein Thema. Auch die Unterstützung durch Hebammen sinkt, denn immer weniger Angehörige dieses Berufsstandes nehmen das Risiko einer Hausgeburt auf sich.

Werdende Mütter, die sich für eine Hausgeburt entscheiden, tun dies gewöhnlich in dem festen Glauben, dass sie sich und dem Baby damit etwas Gutes tun und ihm den bestmöglichen Start ins Leben verschaffen. Doch eine Hausgeburt birgt auch Gefahren. Damit sich die Gebärende voll auf die natürliche Geburt konzentrieren kann, sollte deshalb die Umgebung stimmen und der Notfallplan stehen.

 

wichtige Vorbereitungen der Hausgeburt

Damit während der Hausgeburt keine unnötige Hektik aufkommt, sollten möglichst alle Dinge bereit gelegt werden, die benötigt werden könnten. Zur Grundausstattung gehören beispielsweise Handtücher in verschiedenen Größen (eine große Auswahl an Handtüchern ist hier zu finden) . Außerdem sollten folgende Gegenstände bereitgelegt werden:

 

  • blickdichte Müllbeutel
  • Matratzenauflage bzw. Nässeschutz
  • Fieberthermometer
  • Wärmflasche
  • Nagelbürste
  • Keilkissen
  • bequeme Kleidung
  • Essen und Getränke
  • mittelgroße Plastikschüssel
  • Funkuhr

 

Wann eine Hausgeburt nicht möglich ist

Hinsichtlich möglicher Komplikationen bei der Hausgeburt ist die Hebamme durch ihren Befund in der Haftung. Deshalb ist es für sie von besonderer Wichtigkeit, frühzeitig bestimmte Risiken auszuschließen. Eine Hausgeburt ist nicht möglich, wenn eine spontane Geburt ausgeschlossen oder mit einem hohen Risiko von Komplikationen verbunden ist, beispielsweise wenn das Baby in Querlage liegt. Beckenendlagen und Mehrlingsgeburten sind zwar grundsätzlich als Hausgeburt möglich. Allerdings wird im Allgemeinen von Ärzten davon abgeraten, weil das Risiko von Komplikationen zu hoch ist. Weitere Ausschlussgründe für eine Geburt im eigenen Zuhause können eine in der Nähe des Gebärmutterhalses eingenistete Plazenta (Placenta praevia) oder eine Gestose sein.

Sicherheit bei Hausgeburten erhöhen

Vielen Frauen, die sich bewusst für eine Hausgeburt entscheiden, graut es vor dem Gedanken, in einem Krankenhaus entbinden zu müssen. Dennoch sollten sie sich zum Wohle ihres Kindes im Rahmen der Planungen für die Hausgeburt auch mit dem Ernstfall beschäftigen. Sollten Schwierigkeiten auftreten, beispielsweise abfallende Herztöne beim Kind oder ein Geburtsstillstand, muss sofort reagiert werden können. Die werdende Mutter sollte im Optimalfall binnen weniger Minuten in ein Krankenhaus verlegt werden können.

Erforderlich ist daher, dass sich ein Krankenhaus mit Entbindungsstation in der näheren Umgebung befindet. Wer in einem höheren Stockwerk wohnt und über keine Aufzug verfügen kann, sollte auf eine Hausgeburt ebenfalls verzichten – unter starken Wehen mehrere Stockwerke Treppen herunterzulaufen, stellt ein unüberwindbares Hindernis auf dem Weg ins Krankenhaus dar. Wichtig ist zudem eine gesunde Portion Realismus: Sollte sich während der Wehenphase herausstellen, dass die Entscheidung zur Hausgeburt vielleicht doch nicht richtig war, und bei den werdenden Eltern Zweifel entstehen, sollte die Hausgeburt abgebrochen und in einem Krankenhaus fortgesetzt werden. Weitere Tipps für die Sicherheit bei der Hausgeburt liefert die Uni Münster.

 

Ihr Entschluss steht fest: Ihr Baby soll per Hausgeburt zur Welt kommen! Doch was passiert jetzt? Welche Schritte müssen unternommen werden, damit die Geburt möglichst reibungslos abläuft?

Erster Schritt: Eine Hausgeburtshebamme suchen

Am Wichtigsten ist es, dass Sie sich so schnell wie möglich nach einer geeigneten Hausgeburtshebamme umsehen. Nicht jede Hebamme bietet Hausgeburten an, daher ist die Auswahl eingeschränkt. Wenn Sie mit mehreren Hebammen telefoniert habe, wird Ihnen Ihr Bauch wahrscheinlich schon ein Zeichen geben, bei wem Sie sich wohl fühlen könnten. Lernen Sie diese Frauen kennen und entscheiden Sie sich erst dann. Vertrauen Sie bei der Wahl Ihrem Gefühl! Die Hebamme wird Sie in einer der wichtigsten Phasen Ihres Lebens begleiten. Da Sie bei der Hausgeburt den Luxus haben, frei diese Person wählen zu können, sollten Sie diese Chance nutzen. bFragen Sie auch, wie die Hebamme im Falle einer Komplikation reagieren würde. Würde sie die Geburt auch weiterhin betreuen, wenn Sie aufgrund von Komplikationen in eine Klinik verlegt werden müssten? Wenn Sie sich bei ihr sicher fühlen, haben Sie während der Geburt weniger Stress.

Halten Sie während der Schwangerschaft regelmäßig Kontakt zur auserwählten Hebamme. Sie wird Ihnen mitteilen, wie oft sie Sie sehen will – halten Sie diese Termine unbedingt ein. Je besser die Geburtsbegleiterin Sie kennen lernt, desto besser kann sie während der Geburt reagieren. Auch Ihr Partner kann auf diesen Terminen aufkommende Fragen klären und die Person kennen lernen, die intime Momente mit ihnen verbringen wird.

 

Der Gynäkologe und Hausgeburten

Unterstützt Ihr Gynäkologe Ihren Plan? Häufig rät er von einem solchen Vorhaben ab, obwohl es keine Gründe gibt, bei einer komplikationslosen Geburt im Krankenhaus entbinden zu müssen. Oft sind Ärzte aber in Diagnostik und Behandlung so sehr auf Medikamente und Apparate eingeschossen, dass sie einen natürlichen Weg, der die Instinkte der Mutter beachtet, nicht gehen können. Suchen Sie sich in diesem Fall einen Gynäkologen, der Hausgeburten unterstützt. Wenn Ihr Partner Bedenken äußert, können diese im Gespräch mit der Hebamme oder des Gynäkologen zustreut werden.

Vor der Entbindung

Rückt der Entbindungstermin in greifbare Nähe, sollten einige Dinge erledigt sein:

  • Falls es zu Komplikationen kommen sollte, ist es hilfreich, dass Sie im Krankenhaus angemeldet sind und Ihre persönlichen Daten vorliegen.
  • Ist Ihre Blutgruppe rh-negativ, besorgen Sie sich bei Ihrem Arzt ein Rezept zur Anti-D-Prophylaxe. Außerdem muss bei Ihrem Kind die Blutgruppe bestimmt werden.
  • Getränke und Lebensmittel für die ersten Tage nach der Geburt sollten vorrätig sein.
  • Haben Sie Kinder, sollte für die Zeit der Geburt ein Erwachsener im Haus sein, der sich ausschließlich um die Kinder kümmert. Sie und Ihr Partner haben dazu im Zweifelsfall keine Zeit.
  • Klären Sie Ihre Kinder auf, dass Sie von Zeit zu Zeit schreien oder stöhnen werden – es Ihnen dabei trotz Schmerzen gut geht. Wenn Kinder in der Wehenpause zu Ihnen ans Bett kommen, können sie sich
    davon überzeugen, dass es Ihnen gut geht. Zum Thema Geburt gibt es kindgerechte Bücher, die Sie vorher vorlesen können, damit das Kind weiß, was passiert.
  • Sicherlich wissen Sie instinktiv, in welchem Zimmer Ihr Kind zur Welt kommen soll. Richten Sie dieses Zimmer gemütlich und wohlig ein. Sie müssen sich hier wohl fühlen und entspannen können! Ihr Partner
    wird sich damit abfinden müssen, dass er in diesem Zimmer für einige Tage bei der Gestaltung kein Mitspracherecht hat. Nach der Geburt kann man alles wieder in den ursprünglichen Zustand verwandeln.
  • Das Bett sollte von beiden Seiten zugänglich sein. Ein Tisch neben dem Bett ist nötig für die Utensilien der Hebamme. In greifbarer Nähe brauchen Sie Handtücher, Waschlappen, eine Schüssel, Getränke, Massageöl und was Sie persönlich gerne in Ihrem Umfeld sehen möchten.
  • Ist der Fußboden mit Teppich ausgelegt, kann es sinnvoll sein, ihn mit Folie abzudecken.
  • Organisieren Sie einen Heizstrahler.
  • Vergessen Sie auf keinen Fall einen Fotoapparat im Geburtsraum, den Sie gut sichtbar platzieren. Nach der überstandenen Geburt noch den Fotoapparat suchen zu müssen, zerrt unnötig an den Nerven. Und schließlich brauchen Sie die Fotos als Beweis, wie wundervoll und harmonisch die Hausgeburt verlaufen ist.