Mittwoch , 28 Juni 2017
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Künstliche Befruchtung: Methoden & Buchtipp

Methoden der künstlichen Befruchtung

Auch wenn der Kinderwunsch groß ist, gelingt es nicht in jedem Fall, Nachwuchs zu zeigen. Ungefähr sechs Millionen Männer und Frauen sind ungewollt kinderlos – mehr als im Allgemeinen angenommen wird. Wer sich im Bekanntenkreis umhört, wird sicherlich den einen oder anderen Betroffenen finden. In vielen Fällen wird dann die Hilfe der künstlichen Befruchtung in Anspruch genommen. Insemination, IVF und ICSI gehören zu den Methoden, die häufig zum Einsatz kommen.

Diagnosezyklus schafft Klarheit

Welche Methode bei einem Paar angewendet wird, hängt davon ab, welche medizinischen Voraussetzungen Mann und Frau mitbringen. Es ist daher notwendig, dass ein ausführliches Beratungsgespräch in einer Kinderwunschklinik stattfindet. In vielen Fällen findet außerdem ein sogenannter Diagnosezyklus statt. Anhand von Blutuntersuchungen und Ultraschallaufnahmen an verschiedenen Zeitpunkten eines Zyklus wird sich der Gynäkologe einen Überblick über den gesundheitlichen Zustand der Frau verschaffen. Der Mann muss sein Spermium abgeben, damit über ein Spermiogramm herauszufinden ist, ob sie agil genug sind, um aus eigener Kraft eine Eizelle zu befruchten.

IUI bei langsamen Spermien

Spricht von Seiten der Frau nichts gegen eine Schwangerschaft, sind die Spermien des Mannes aber zu langsam, schlägt der Arzt im Allgemeinen eine intrauterine Insemination (IUI) vor. Die Frau nimmt Hormone ein, um den Eisprung optimal bestimmen zu können. Wurde er ausgelöst, gibt der Mann sein Sperma in der Praxis ab, welches dann aufbereitet und über einen Katheter in die Gebärmutter der Frau eingeführt wird. Da die Spermien dann nur noch einen kleinen Weg bis zur Eizelle zurücklegen müssen, ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass es zu einer Befruchtung kommt.

Befruchtung im Reagenzglas

Bei der IVF (In-Vitro-Fertilisation) findet die Befruchtung nicht in der Frau, sondern im Labor statt. Auch hier nimmt die Frau Hormone ein, um die Bildung von Eizellen zu stimulieren. Sind sie groß genug, lässt sich der Eisprung auslösen. Unter einer leichten Narkose entnimmt der Arzt der Frau die Eizellen und bringt sie mit den Spermien des Mannes in einem Reagenzglas zusammen. Läuft alles nach Plan, endet dieser Versuch in befruchteten Eizellen.

ICSI: Injektion des Spermiums

Sind die Spermien zu langsam, verformt und/oder nur in geringer Anzahl vorhanden, ist ICSI (intracytoplasmatische Spermieninjektion) das Mittel der Wahl. Die Vorbereitungen laufen wie bei einer IVF statt, die Spermien werden dann jedoch direkt in eine Eizelle injiziert. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Befruchtung stattfindet, ist daher sehr groß. Wie viele befruchtete Eizellen schließlich implantiert werden können, hängt davon ab, wie sie sich in den kommenden Stunden entwickeln. Es ist durchaus möglich, dass eine Frau, bei der zehn Eizellen mit ICSI befruchtet werden, letztendlich nur eine davon eingesetzt bekommt. Die Natur hat trotz aller technischen Fortschritte das letzte Wort.

Bei IVF und ICSI implantieren Kinderwunschkliniken zwei bis drei befruchtete Eizellen. Da die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft erhöht ist, ist mit drei Eizellen das Maximum erreicht. Sind bei einem Versuch der künstlichen Befruchtung mehr Exemplare entstanden, lassen sie sich einfrieren, zu einem späteren Zeitpunkt auftauen und der Frau einsetzen. Es ist dann von Kryokonservierung die Sprache.

Buchvorstellung: Bauchzeit – Tagebuch einer künstlichen Befruchtung

Mehr Paare als ich bisher gedacht habe, leiden unter einer ungewollten Kinderlosigkeit. Es gibt verschiedene Methoden, mit denen sie der Natur auf die Sprünge helfen können. Allerdings sind die Versuche nicht immer von Erfolg gekrönt. Bei der IUI liegen die Erfolgschancen bei ungefähr 1 Prozent, bei IVF und ICSI bis zu 30 Prozent, allerdings spielt das Alter der Frau eine große Rolle. Über die technischen Details einer künstlichen Befruchtung lassen sich viele Informationen im Internet finden. Schwieriger wird es, wenn Frauen ausführliche Erfahrungsberichte von Betroffenen suchen. Hier setzt das Buch „Bauchzeit – Tagebuch einer künstlichen Befruchtung“ von Linda Benninghoff an.

Erfahrungen der Autorin

Die Autorin leidet unter Endometriose, weswegen ihr die Ärzte kaum Hoffnung machen, dass sie auf natürlichem Wege schwanger wird. Erschwerend kommt hinzu, dass sie bereits 39 Jahre alt ist, als sie ihren jetzigen Lebenspartner kennenlernt und der Kinderwunsch erwacht. Sie entschließen sich für die künstliche Befruchtung und lassen ICSI durchführen. Da Linda Benninghoff als freie Journalistin arbeitet, liegt es für sie nahe, ihre Gefühle und Erfahrungen in diesen Monaten aufzuschreiben und in einem kleinen Buch zusammenzufassen. Außerdem erfahren die Leser wichtige Informationen zu den üblichen Methoden der künstlichen Befruchtung und eingesetzten Medikamenten.

Mein Eindruck beim Lesen

Mir hat das Tagebuch gut gefallen. Linda Benninghoff schreibt ehrlich und direkt, was sie während dieser Zeit beschäftigt. Die Frustration über Verzögerungen, die Organisation, Streit mit dem Freund, Untersuchungen, Nebenwirkungen von Medikamenten und schlussendlich der abschließende Schwangerschaftstest wirken sehr authentisch.

Frauen, die überlegen, eine solche Behandlung durchführen zu lassen, können sich hier einen ersten Eindruck verschaffen, auch wenn die Gefühle bei jeder Frau sicherlich unterschiedlich sein werden.

Das Tagebuch ist als E-Book und als Taschenbuch hier erhältlich.