Mittwoch , 28 Juni 2017
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Untergewicht kann gefährlich für Kinder werden

Oft wird darüber diskutiert, dass hierzulande die Kinder immer dicker werden. Doch es gibt auch das andere Problem: Jungen und Mädchen, die unter Untergewicht leiden. Die betroffenen Eltern kennen das: Das Kind sitzt beim Mittag – oder Abendessen und möchte einfach mal wieder nichts essen. Dieses Verhalten ist nicht nur nervenaufreibend für Eltern und Kind, sondern kann auch zu Untergewicht führen, welches gefährlich für die Kleinen werden kann.

Die Folgen von Untergewicht

„Eine ernste Gedeihstörung mit Untergewicht vermindert die Entwicklungschancen und die Lebensqualität des Kindes. Bei chronisch kranken Kindern und Jugendlichen beeinträchtigt sie deutlich die künftige Entwicklung. Ein ausgeprägtes Untergewicht durch Fehlernährung wirkt sich nachteilig auf das Längenwachstum aus, kann die Pubertätsentwicklung und die mentale Reifung beeinträchtigen und auch das Immunsystem schwächen, mit der Folge von gehäuften Infektionen. Die langfristige Gesundheit und Leistungsfähigkeit werden nachhaltig beeinträchtigt“, erklärt der Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit und Kinder- und Jugendarzt aus München.

Oft falsche Diagnosen

Die Gründe für das Untergewicht können einerseits in mangelnder Ernährung liegen, das heißt, dass die Eltern nicht darauf achten, dass ihr Kind auch genug Mahlzeiten angeboten bekommt. Andererseits kann die Ursache auch in ernsthaften, meist chronischen Erkrankungen liegen. Krankheiten, die zu Untergewicht führen können, sind beispielsweise Krankheiten des Darms, eine Überfunktion der Schilddrüse, eine angeborenen Herz-, Leber- oder Nierenerkrankung, eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Allergie. Aber auch seelische Probleme können dazu führen, dass die Kinder weniger essen.

Leider übersehen die Ärzte oft, was wirklich hinter dem Untergewicht steckt. „Eine krankheits-assoziierte Unterernährung ist bei Kindern erschreckend häufig. Trotz der hohen Zahl untergewichtiger kindlicher Patienten bestehen in Deutschland große Defizite bei der gezielten Diagnose und der klinischen Ernährungstherapie auch in den Kinderabteilungen. Es fehlt an Fachpersonal, Ernährungsteams und an der Geräteausstattung. Unterernährung wird viel zu häufig ‚übersehen’ und bleibt ohne konsequente Prävention und Therapie. Das hat schwerwiegende Konsequenzen für die Patienten“, meinen die Leiter einer Studie des Haunerschen Kinderspitals der LMU München. Diese gezeigt, dass 19 Prozent der Kinder, die eingeliefert werden, untergewichtig sind. Diese mussten länger im Krankenhaus bleiben, hatten häufiger Fieber, Durchfall und Erbrechen, nahmen Antibiotika und machten öfter eine Ernährungstherapie als Kinder mit normalem Gewicht. Es sollen weitere Studien zu diesem Thema durchgeführt werden.

Kann keine Krankheit als Ursache gefunden werden, wird die Ernährung des Kindes meist auf eine sehr Kalorienreiche umgestellt. Professor Koletzko erklärt dazu: „Im ersten Lebensjahr kann die Säuglingsnahrung kalorisch angereichert werden, zum Beispiel durch Zugabe von Maltodextrin und Öl. Das Essen von Kleinkindern und Schulkindern darf man mit Öl oder Sahne anreichern. Erlaubt und empfehlenswert sind auch reichlich Streichfette (Butter oder Margarine), selbst hergestellte Milchshakes, Eis mit Sahne, Schoko- und Müsliriegel, Mandel- oder Nussmus, Kartoffelchips und andere energiereiche Happen. Aber bitte nicht auf eigene Faust, sondern erst, wenn der Kinder- und Jugendarzt dazu geraten hat“.